Teilnahme am Geschichtswettbewerb 2020/21- Lina Radke: Vorbild oder Abbild der Gesellschaft?

Im Rahmen des Geschichtswettbewerb unter dem Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ haben Frieda, Xinyuan und Ella aus der 10. Stufe eine Arbeit über die Olympionikin Lina Radke geschrieben. Dabei behandelten sie den Aspekt, inwiefern Radke ein Vorbild oder Abbild der Gesellschaft sei.

Hier ein kleiner Überblick zur Person Lina Radke: Geboren als Batschauer am 18.03.1903 in Karlsruhe heiratete sie 1927 ihren späteren Trainer Georg Radke. Ihre sportliche Karriere begann 1924, als sie im “Leichtathletik-Verein Baden-Baden” trainierte. Sie wurde mehrfach deutsche Meisterin im 1000m-Lauf und 800m-Lauf, und 1926 wurde sie badische Meisterin im Dreikampf. Im Jahr 1927 wechselt sie in die Leichtathletik Abteilung des KVF. Am 2. August desselben Jahres lief Lina Radke mit 2:23,8 Minuten eine Weltbestzeit über 800m. Noch im Jahr 1927 verließ sie ihren Verein, um mit ihrem Mann, der im “Leichtathletik-Verein Baden-Baden” Trainer war, in dessen Heimat Breslau zu ziehen. Ihren sportlichen Höhepunkt erzielte Lina Radke 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam. Sie gewann mit einer Zeit von 2:16,8 Minuten auf 800m Deutschlands erste Leichtathletikgoldmedaille. Allerdings konnte sie ihren Erfolg nicht wiederholen, weil danach alle Strecken über 100m für Frauen bei Olympischen Spielen gesperrt wurden. Ohne großes Aufsehen zu erregen, wurde Lina Radke 1934 bei den innoffiziellen Frauenweltspielen im 800m Lauf Dritte und beendete damit ihre Karriere. Sie begann im Breslauer Verein als Trainerin zu arbeiten und bekam 1937 ihren Sohn Norbert. Sie hielt zur nationalsozialistischen Ideologie weitestgehend Abstand und musste 1945 vor der Roten Arme aus Breslau fliehen. Während der Flucht verlor Lina Radke ihre olympische Goldmedaille. Sie ließ sich mit ihrer Familie daraufhin in Torgau nieder, wo ihr 1956 die Goldmedaille vom olympischen Komitee erneut verliehen wurde. Im Jahr 1961, noch vor dem Bau der Mauer, floh die Familie Radke aus Torgau und konnte nach einem Aufenthalt im Flüchtlingslager Gottesau nach Karlsruhe zurückkehren. Aus Anlass ihres 70. Geburtstags wurde Lina Radke 1973 von der Stadt Karlsruhe mit einer Goldmedaille für besondere Verdienste im Sport geehrt. Abseits der öffentlichen Presse starb Lina Radke am 14. Februar 1983 in Karlsruhe.

Zeichnung von Arthur Grimm (1883-1948). Aus dem Buch "Baden-Baden in 100 Zeichnungen".

Wenn man heute über Lina Radke recherchiert, dann stößt man immer wieder auf den Begriff Pionierin. Sie sei „Vorreiterin der deutschen Leichtathletik“, heißt es immer wieder. Warum Lina Radke ein Vorbild und zugleich Abbild der Gesellschaft ist, erkennt man durch ihr Wirken während ihrer Lebzeiten.

Im Jahr 1928 prägte Lina Radke mit ihrem Erfolg im Sport die Gesellschaft aktiv. Ihr Sieg war nicht nur eine persönliche Belohnung für ihr Training, sondern durch Ehrungen in Baden-Baden und Karlsruhe wurde sie belohnt und ihr Erfolg wurde anerkannt. Dabei ist sie sowohl ein Vorbild für andere Sportler und Frauen, als auch ein Abbild der Emanzipation der Frau.

Die Abschaffung der 800m-Läufe prägte sie hingegen negativ und zwang sie zu einer grundlegenden Änderung ihres Lebens. So blieben die Möglichkeiten aus, erfolgreich sportliche Wettkämpfe zu bestreiten und national und international Anerkennung zu erlangen. Um ihrem Sport treu zu bleiben, wurde sie Trainerin in Breslau.

Durch ihren Rückzug von der sportlichen Karriere, reduzierte sich auch ihr öffentliches Ansehen. Ein weiterer Faktor ihrer Entwicklung war das klassische Rollenbild der Nationalsozialisten, da diese für Frauen vorsahen, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Das ist ein Grund für die geringen Informationen über Lina Radke in diesem Zeitraum. Somit wurde Lina Radke weiter negativ geprägt und hatte auch keinen aktiven Einfluss auf die Gesellschaft. Hier kann man Lina Radke zusprechen, Abbild der damaligen Zeit zu sein.

Aufgrund der sich ändernden Ansichten des DDR-Regimes, gab es den Versuch, den Sieg Lina Radkes erneut würdigen. Dies zeigt sich im Angebot des Staates die Sportlerin zur Nationaltrainerin zu ernennen. Durch die Ablehnung des Angebots signalisierte Lina Radke ihre Distanzierung zum Staat, aber auch zur Gesellschaft.

Durch die ihr zufallenden Ehrungen der DDR und später auch der BRD, die sich in der Wiederverleihung ihrer Goldmedaille und der Ehrenmedaille von Karlsruhe äußerten, zeigte sich, dass die verschiedenen Regierungen Lina Radke wieder als Pionierin hervorbringen wollten. Hier wird die Person Lina Radke instrumentalisiert, um durch sie als ein Vorbild die Gesellschaften weiterzubringen. Somit lässt sich sagen, dass Lina Radke ihren Status als Pionierin beibehalten hat, aber ihn nicht mehr einsetzt, um wie früher die Gesellschaft zu prägen.

Im Nachhinein zeigt sich, von welcher nationalen Bedeutung Lina Radkes Sieg bei Olympia 1928 war. An dem Leben von Lina Radke sieht man das Zusammenspiel von Sport und Gesellschaft. Ihre sportliche Karriere prägte die Gesellschaft nicht nur zu ihren Lebzeiten, sondern auch über den Tod hinein. Dies sieht man an den vielen Zeitungsartikeln, Buchausschnitten und Benennungen im Internet, in welchen über Lina Radke berichtet wird. Abschließend kann man sagen, dass Lina Radke als Vorbild der Gesellschaft fungierte, indem sie als Pionierin für den Frauensport die Goldmedaille errungen hat, und gleichzeitig auch ein Abbild der aufstrebenden Frau im Sport ist.

 

Ein Kommentar

  1. Finde ich sehr gelungen und informativ:) 👍🏻

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